Musik, die mit Aug' und Ohr wahr genommen wird

Jahreskonzert der Musikvereinigung

BAD NEUENAHR-AHRWEILER.  Wer sich am vergangenen Wochenende zwischen Wandern in den Weinbergen und einem Konzert im Bürgerzentrum für das Letztere entschieden hat, der erlebte viele Gefühle und konnte in Erinnerungen schwelgen.

Foto: Fix
Foto: Fix

Die Musikvereinigung Bad Neuenahr-Ahrweiler 1910 e.V. stellte ein sehr gut abgestimmtes musikalisches Programm aus der Welt des Films im voll besetzten Helmut-Gies-Bürgerzentrum vor. Der erste Vorsitzende Frank Heuser begrüßte die Gäste, unter ihnen der Bürgermeister Guido Orthen, der Ortsvorsteher Peter Diewald und der Landtagsabgeordnete Horst Gies und dann, angeführt von den zwei „Polizistinnen“ Elisa Fahrenbruch und Viktoria Knipp, kam das 52 Personen starke Orchester den Gang hoch und nahm an den Instrumenten Platz. „Film ab“ hieß es und der musikalische Leiter Richard Knipp ließ die Helligkeit des Lichts herunter fahren. Auf der großen Leinwand im Hintergrund erschienen Filmsequenzen aus Police Academy, die das Orchester synchron mit der original Filmmusik klangvoll untermalte. Ein Genuss für Aug und vor allem - für die Ohren! „Zurück in die Zukunft“, „Robin Hood“, „In 80 Tagen um die Welt“ und „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ - alles Stücke, die bekannt sind und aus einem ganz neuen Winkel erscheinen. Musik aus der Konserve ersetzt keine Live Musik. Die Dynamik und die Dramatik sind greifbar zu spüren. Viel Übung, Vorbereitung und großes Können steckt in dem Konzert. Nicht nur das „Stückespielen“, sondern auch das Tempo ist wichtig; damit Film und Musik parallel, also synchron laufen; erläutert Richard Knipp.

Große Hits der Filmgeschichte

Nach der Pause übernahm Norbert Nykes, die Leitung und stellte sein Ausbildungsorchester vor. Hier dürfen alle, die Spaß und Freude am Musizieren haben, egal ob alt oder jung, sich fürs große Orchester fit machen lassen. Nachwuchssorgen gibt es keine und trotz dem können sich Interessierte gerne melden. Was auffallend ist, ist die tolle Atmosphäre, die unter allen Musikern herrscht. Diese wissen sie auch ans Publikum weiter zu reichen. Nach „About That Bass“, eine vertrackte Liebesgeschichte mit Happy-End und „Dschungelbuch“ übernahm das große Orchester wieder die Bühne und Richard Knipp dirigierte den „König der Löwen“, „Tom und Jerry“, „Die Schöne und das Biest“. Mit „Chariots of Fire“ endete das Samstagabendprogramm.

Unterhaltung für Jung und Alt

Zum Familienkonzert am Sonntagnachmittag ließen sich trotz des schönen Wetters viele Familien mit ihren Kindern auf das Konzert ein. Von Beginn an verfolgten die Kinder mit Spannung dem Geschehen. Vor jedem Vortrag gab Richard Knipp eine kurzweilige, lustige Inhaltsangabe und erklärte zudem auch noch die Wirkung der Instrumente. Die Muppets eröffneten schwungvoll die Show. Es gab ein Wiedersehen mit Miss Piggy, Kermit und dem Schlagzeuger, das angekettete Tier, worauf Richard Knipp aufmerksam machte. Bei „How to train your Dragon“ stieg die Spannung. Die Musik wurde schaurig, wenn Drachen angriffen und Gefahr drohte. Dick und Doof wiederum verbreiteten gute Laune bei Jung und Alt. Selbst wenn man die Slapsticks schon kannte, kam man ums Lachen nicht herum. Als würde sie die Musik noch mehr aufdrehen, so tapsten die beiden Akteure von einem Fettnapf in den Anderen. Bei „In 80 Tagen um die Welt“ konnte man mit geschlossenen Augen an der Musik aus machen, in welchem Land sich der Wissenschaftler mit Diener und Freundin aufhielt. Orientalisch klang es im Orient, asiatisch in China und in Amerika richtig wild, als die Indianer auftauchten.

 

1965 wurde der Film „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ gedreht und sollte im Jahre 1910 spielen, als 25 Starter mit ihren „Flugapparaten“ gen Himmel starteten, um dann über Kurz oder Lang in allen Variationen abzustürzen. Das Schlagzeug und die neue Pauke untermalten die ganze Dramatik.

Ausbildungsorchester präsentierte sich dem Publikum

Mit Heidi, Pipi Langstrumpf, den Schlümpfen, Pinocchio, Bine Maja und Pumuckl endete die kurze Pause. Das Ausbildungsorchester hatte die Filme, die generationenübergreifend bekannt sind, untermalt und Elisa Fahrenbruch die Anmoderation übernommen. Jetzt kündigte sie die Eiskönigin an und es stellte sich heraus, dass die Kleinen im Zuhörerraum textsicher mit singen. Dem entsprechend aufmerksam verfolgten die Kinder das Geschehen auf der Bühne und der Leinwand. Man lernt nie aus - so heißt der nächste Filmtitel ins Deutsche übersetzt. Das würde auch fürs Ausbildungsorchester gelten. Dass dies aber Freude macht, das war auf Bildern von den Proben, die nun auf der Leinwand präsent waren, eindeutig zu erkennen. Ebenfalls, dass die Freizeiten nicht zu kurz kommen, darauf achten die Ausbilder und sind stolz auf die daraus resultierende Freude, die von Anfang an mitschwingt.

 

Ebenfalls wurde mitgesungen, als Balu der Bär, und Mogli aus dem Dschungelbuch durch den Dschungel tanzten. „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ hieß es im Film und der Vorsitzende der Musikvereinigung machte Mut, es doch mal mit Musik zu versuchen. Die Ausbildung wird vom Verein übernommen; der sich wiederum durch Auftritte und Spenden selbst finanziert. Auf dieses Stichwort hin ließ er eine Spendendose rund reichen. Diese Zeit nutzten die Orchester, um die Plätze zu wechseln. Das große Orchester ließ den „König der Löwen“ aufleben und im Anschluss versuchte der Kater Tom, die Maus Jerry in den Hinterhalt zu locken. Bei diesem Stück kam das wahre Können zum Tragen. Jeder Laut - ob es das Milchschlabbern des Tom, das durch Wasserplätschern erzeugt wurde, oder die Attacken auf seinen Schwanz, welches die Trompete hervorragend erzeugte - jeder Laut saß! Bei „Die Schöne und das Biest“ wurde es wieder so richtig romantisch und gefühlvoll.

Zuschauer waren gefordert

Die vordere Reihe auf der Bühne wurde frei geräumt - bis auf eine Reihe Stühle und drei Bierbänken, die eine lange Front ergaben. Die jüngeren Spieler setzten sich daran und als die Musik einsetzte, um aus dem Film „Pitch Perfekt“ ein Stück zu spielen, klopften sie mit den Becher auf den Tisch und gaben sie dann an den Nebenmann oder die Nebenfrau weiter. Nach dem ersten Durchgang wurden die Kinder in der Halle aufgefordert, mit zu machen. Nur vom Zuschauen her hatten sie direkt begriffen, wie es ging. 40 Becher waren jetzt unterwegs und es klang, als wäre es nur einer. Ein Riesenapplaus folgte, denn es sollte das letzte Stück sein! Der lang anhaltende Beifall wurde mit einer Zugabe belohnt. Die Kinder durften dem Stück von der Police Akademy gespannt lauschen. Nein, nicht von den Stühlen aus, sondern Richard Knipp wies sie an, sich mitten unter das Orchester zu mischen, um von dieser Seite her das Konzert zu verfolgen. Letztendlich standen 4 Dirigenten vorne am Pult - drei kleine und ein Großer - und es war nicht auszumachen, wessen Anleitungen die hervorragenden und vielseitigen Musiker folgten!

 

Wer das Konzert versäumt hat oder es noch einmal sehen möchte, hat dazu im Sommer die Möglichkeit. Dann findet es in Bad Neuenahr statt.

 

 

Quelle: Blick Aktuell, 28.03.2017

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